Von Haken, Karies und dem Kiefergelenk

Als Pferdeosteopathin fällt oft mein erster Blick auf das Gebiss eines Pferdes. 

Doch warum ist der Zustand der Pferdezähne für meine Arbeit so wichtig?

Ziel ist es für mich in einer Behandlung die Ursache für ein Symptom zu finden und diese möglichst schnell abzustellen und das Pferd damit Symptomfrei zubekommen. Das setzt für mich eine ganzheitliche Betrachtung des Pferdes voraus.

Der Kopf eines Pferdes ist über die Zungenbeinstruktur muskulär mit dem Großteil des Pferdekörpers verbunden. Tauchen nun Dysbalancen in der Muskulatur des Pferdekopfes auf, durch z. B. Schmerzen im Bereich des Pferdemauls oder Fehlstellung einzelner Zähne, können sich diese Verspannungen im gesamten Körper des Pferdes zeigen. Das können unter anderem unklare Lahmheiten, Steifheit im gesamten Pferdekörper, Schwierigkeiten bei Stellung und Biegung oder Blockaden im Rückenbereich sein. Oft zeigen diese Pferde Widersetzlichkeiten beim Berühren am Kopf, beim Trensen oder Halftern. Verhaltensauffälligkeiten wie z. B. das Headshaking können auch Anzeichen für eine Problematik im Pferdemaul aufzeigen.

Erfahrungen von mir zeigen auf, dass ca. 90 % aller Pferde bei der Testung des Kiefergelenkes eine Schmerzanfälligkeit aufzeigen. In den meisten Fällen reicht zur Symptomfreiheit eine Behandlung des Kiefergelenkes allein nicht aus, sondern nur in Kombination mit einer fachgerechten Zahnbehandlung, natürlich unter Betrachtung einer gut passenden Ausrüstung.

Häufige Problematiken im Pferdemaul können sein:

 

  • Haken oder scharfe Kanten im Bereich der Backenzähnen, aus denen offene Wunden in der Schleimhaut der  Mundhöhle resultieren können

  • Viel zulange Schneidezähne, die ein korrektes mahlen der Backenzähne verhindert und somit starke Verspannungen hervorrufen können

  • Ausbreitungen von Karies mit entzündlichen Folgen

  • Fehlstellungen vereinzelter Zähne

  • Punktuelle Zahnentzündungen oder Verletzungen am Zahnfleisch

  • Kariesbildung an einzelnen Zähnen

 

Ich empfehle euch mindestens einmal im Jahr die Zähne euer Pferde durch eine fachmännische Behandlung kontrollieren zulassen (bei Jungpferden gerne zweimal jährlich) oder eventuell öfter bei auftretenden Problematiken wie z. B. das Ausspucken von Heu- oder Grasröllchen oder die Einlagerung von Futter in den Backenzähnen.

Sehr Wichtig! Es gibt Tierärzte mit einer Zusatzausbildung zum Pferdedentalpraktiker so wie der Zahnarzt für uns Menschen. Bitte achtet darauf, die Zahnbehandlung eurer Pferde von einem ausgebildeten Pferdedentalpraktiker durchführen zulassen, diese sind geschult auf spezielle Zahnkrankheiten oder Korrekturen innerhalb des Pferdegebisses und sie sind oft in Besitz einer speziellen Behandlungsausrüstung. 

 

Geschrieben von Heidi Pieterwas - Pferdeosteopathin und Physiotherapeutin, Verhaltensberaterin für Pferde, Initiatorin & Kontakt vom Kompetenzverbund pro Pferd

 

Bildquelle: www.pferde-zahn-pflege.com